Kriminalisierung von Dumpster DiverInnen

Verdrehte Verhältnisse – In Tübingen wurden zwei Studierende angezeigt, weil sie bereits weggeworfene Lebensmittel an sich nehmen wollten.
Fakt ist:
Große Supermarktketten werfen sehr viele noch verwendbare Lebensmittel auf den Müll.
Dafür sind eine fragwürdige Verwertungslogik der Wirtschaft, aber auch Fehler im Management dieser Firmen verantwortlich. So landen am Ende eines Arbeitstages zahlreiche Lebenmittel in den Müllcontainern.

Fakt ist auch:
Viele benachteiligte Menschen gehen nach Ladenschluss bei den Supermärkten vorbei, um die Mülleimer auf für sie wertvolle Nahrungsmittel zu durchsuchen.
Die Motivationen reichen dabei von krassem Geldmangel bis zu der politischen Überzeugung, dass ein derartig verschwenderischer Umgang mit Lebensmitteln angesichts weltweiter Hungerprobleme skandalös ist und dass achtlos Weggeworfenes wenigstens noch verwendet werden sollte.

Und jetzt…
… wurden zwei Menschen in Tübingen beim Durchsuchen der Müllcontainer nach brauchbarem Essen von der Polizei „erwischt“.
Herr Schlotter, der Filialleiter des Tübinger Kaufland-Marktes – ein Unternehmen mit 30 Mrd. Euro Jahresumsatz und skandalösen Beschäftigungsbedingungen – hat jetzt eine Studentin und einen Studenten wegen „Diebstahl geringwertiger Sachen“ angezeigt.
Diese Anzeige wird nur auf Interesse des „Geschädigten“ hin verfolgt und ebenso hart bestraft wie ein gewöhnlicher Diebstahl.

Der P R O Z E S S T E R M I N ist für den 6.12.07 um 8:30 Uhr im Tübinger Amtsgericht angesetzt.

Dies ist absolut unverständlich, schließlich haben die beiden durch das Durchsuchen von Müllcontainern niemandem geschadet. Sie versuchten lediglich, weggeworfenes Essen noch zu verwerten.

In Tübingen hat sich spontan als Reaktion der Arbeitskreis „Verdrehte Verhältnisse“ gegründet. Mit einer Unterschriftensammlung, Aufklärung der Tübinger Bevölkerung und (hoffentlich) zahlreicher Präsenz und Aktionen beim Prozesstermin am 6.12.07 versuchen sie gegen diesen unverhältnismäßigen, ungerechten und skandalösen Missstand vorzugehen.
Gefordert wird daher, dass der Filialleiter Herr Schlotter die Anzeige zurücknimmt.


8 Antworten auf “Kriminalisierung von Dumpster DiverInnen”


  1. 1 Rogue 06. Dezember 2007 um 12:27 Uhr

    Soeben erfahren: Das Verfahren wurde eingestellt, bei der Studentin ohne Auflage, der Student muss 100 Euro Bußgeld zahlen. Gelesen hier:

    Verfahren wegen „Containerns“ gegen Geldauflage eingestellt

    TÜBINGEN

    (tol). So einen Andrang gab es im Saal 13 des Tübinger Amtsgerichts schon lange nicht mehr: Etwa 50 Leute waren am Donnerstagmorgen gekommen, um im Prozess gegen zwei Tübinger Studierende dabei zu sein. Sie waren wegen Diebstahls angeklagt, weil sie Lebensmittel aus den Abfalltonnen eines Supermarktes mitgenommen hatten.

    Das Verfahren gegen eine 21-Jährige stellte der Richter ohne Auflagen ein. Ihr 26-jähriger Mitangeklagter dagegen muss 100 Euro zahlen – an „Brot für die Welt“.

    (Quelle)

  2. 2 Herr Lich 11. Dezember 2007 um 1:46 Uhr

    Passend dazu folgende Polizeimeldung:

    Abgelaufene Lebensmittel aus Container gestohlen

    Rheda-Wiedenbrück (ots) – (KS) Auf dem Gelände eines Einkaufmarktes an der Hauptstraße wurde am vergangenen Wochenende (24.-26.11.) von unbekannten Tätern das Vorhängeschloss eines Abfallcontainers aufgebrochen. Im Container lagerten Lebensmittel aus dem Markt, bei denen das Verfallsdatum abgelaufen oder die nicht mehr zum Verkauf geeignet waren. Gleichgelagerte Diebstähle sollen im letzten halben Jahr schon drei Mal vorgekommen sein. Die Polizei sucht Zeugen. Hinweise und Angaben dazu nimmt die Polizei in Rheda-Wiedenbrück unter Tel.: 05242/4100-0 entgegen.

    http://www.presseportal.de/polizeipresse/pm/23127/1093494/polizei_guetersloh

    Verbliebe die Frage, ob’s Einkaufsmarkt beziehungsweise Polizei um’s Schloß geht oder um den Müll.

  3. 3 DumpsterDave 02. Februar 2008 um 12:31 Uhr

    Schön, hier mal wieder neues zu lesen. Bitte mehr mehr mehr :)

    Was die Sache in Tübingen angeht, ist es mal wieder ein Beweis für die Armseligkeit unserer (industriellen) Gesellschaft in der vorne zu hinten wird und unten zu weiter unten. Nur oben bleibt da wo es immer war, oben halt.

  4. 4 johannes 08. November 2008 um 19:10 Uhr

    Die Geschäfte scheinen ja große Angst vor den Freeganern zu haben, denn immer mehr blockieren ihre Tonnen mit Schlössern.

  5. 5 Chint 03. Dezember 2009 um 14:27 Uhr

    Auf zum dumpstern!!!

  1. 1 Das weggeworfene Eigentum | fight fire with fire Pingback am 04. Dezember 2007 um 0:11 Uhr
  2. 2 kulinaria katastrophalia Trackback am 07. Dezember 2007 um 2:31 Uhr
  3. 3 Gefunden — und auch schon gegessen (daneben üble Kost) | kulinaria katastrophalia Pingback am 07. Dezember 2007 um 2:33 Uhr
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